Berlin Alé! Aus Wien ins verschneite Berlin oder: Filme, Filme, Filme!

Der Versuch eines Festivalberichts

Adel Ermak

Eine achtstündige Zugfahrt brachte mich am 12.02.2025 – einen Tag vor dem offiziellen Beginn der Berlinale – in die deutsche Bundeshauptstadt Berlin. Mein letzter Besuch lag einige Jahre zurück: 2018 war ich auf Musicalreise dort, hatte kaum Zeit, mir die Stadt anzusehen, und pendelte nur zwischen dem Theater des Westens und dem Theater am Potsdamer Platz hin und her.

Dieses Mal sollte sich auf den ersten Blick nicht allzu viel ändern – es war zwar etwas mehr als eine ganze Woche geplant, aber wieder stand Kunst im Mittelpunkt, nur, dass es diesmal keine Theaterstücke, sondern Filme waren, die meine Aufmerksamkeit auf sich zogen. Die begrenzte Zeit, welche für Stadtspaziergänge und Sehenswürdigkeiten übrigblieb und sogar der Hauptaufenthaltsort blieb derselbe: „Wie cool, dass wir heute den Berlinale-Palast sehen! Hey, hier ist doch irgendwo das Theater am Potsdamer Platz, oder?“

Tatsächlich verwandelt sich das besagte Theater einmal im Jahr, im kalten Februar, zur Hauptspielstätte des internationalen Filmfestivals. Hier begann auch meine Festivalerfahrung, als ich im Servicecenter mein offizielles Akkreditierungsbadge abholte. Vor lauter Aufregung ging mir das dazugehörige Bändchen sofort kaputt, nachdem das erste eine offene Naht hatte. „Give me this trash!“, kommentierte der Mitarbeiter trocken, während er mir ein neues überreichte.

Nun stand mir also nichts mehr im Wege (so dachte ich jedenfalls), um mich sowohl körperlich als auch mental auf die kommenden Tage vorzubereiten. Da ich erst am Nachmittag angekommen war, blieb vom ersten Tag nicht mehr viel übrig – dies sollte für die nächsten acht Tage der letzte sein, an dem ich mich halbwegs ausruhen konnte.

Watching in a Winter Wonderland

In den nächsten Tagen verwandelte sich Berlin in ein regelrechtes Winter Wonderland, während mir langsam dämmerte, worauf ich mich eingelassen hatte. Mein Ziel war es, das Festival und meine Akkreditierung voll auszunutzen und so viele Screenings wie möglich zu besuchen. Schon einige Tage vor meiner Abreise aus Wien hatte ich mir ein Programm zusammengestellt. Das Problem: eine Liste mit über fünfzig Filmen, die mein Interesse geweckt hatten, und eine viel zu knapp bemessene Zeit.

Zum Glück war die Homepage des Festivals hervorragend aufbereitet: Ein individueller Planner gab mir einen Vorgeschmack auf meine kommende Semesterplanung und eine Favoritenliste ermöglichte zumindest ansatzweise einen Überblick über die begehrten Vorführungen. Trotzdem war von Anfang an klar: Vieles würde ich verpassen, viele Lücken und blinde Flecken würden bleiben und das musste okay sein. Oder?

Jeden Morgen begann mein Tag um 7:30 Uhr, denn dann öffnete jeweils die Reservierungsmöglichkeit für die Filme des übernächsten Tages. Dies gestaltete sich mal als überraschend einfach, mal als unglaublich kompliziert. Im Großen und Ganzen schaffte ich es aber, all meine Favoriten (also die abgespeckte Version der fünfzig Ersterwählten) zu sehen – was ich zunächst nicht für möglich gehalten hatte. Spontanität zahlte sich aus: Oft lohnte es sich, kurz vor Vorführungsbeginn noch einmal auf die Ticketseite zu schauen – überraschend oft bekam ich so doch noch einen der begehrten Plätze.

Magische Momente und filmische Erstbegegnungen

Wir erlebten viele besondere Momente, einige davon waren echte Premieren für mich. Am Eröffnungstag waren wir mitten im Schneesturm am roten Teppich des Berlinale-Palastes und erhaschten Blicke auf einige bekannte Persönlichkeiten aus der Filmwelt. Florence Kasumba, Heike Makatsch, Fiona Shaw und Nina Hoss waren meine persönlichen Highlights. Noch wusste ich nicht, dass ich wenige Tage später direkt vor Benedict Cumberbatch stehen würde.

Bei der ersten Pressevorführung von Bong Joon-hos neuem Film Mickey 17 gab es ein striktes Embargo – bis am Abend durfte niemand darüber sprechen. Während bei Bekanntgabe dieser Information einige Presseleute buhten, fühlte ich mich besonders und exklusiv.

Am schönsten war für mich jedoch, immer wieder auf Wiener tfm-Kolleg*innen zu treffen. Die meiste Zeit war ich mit einem befreundeten Kommilitonen unterwegs, und ob durch Zufall oder geplante Treffen – wir begegneten vielen bekannten Gesichtern, sei es in den Kinosälen oder während der sparsam eingeplanten Essenspausen.

Viele Wohnzimmer auf Zeit

Viele Situationen, nein, die gesamte Atmosphäre in dieser verrückten Stadt, die durch das Festival nur noch intensiver wurde, hatten eine ganz eigene Magie. Jeder besuchte Kinosaal war auf seine Art besonders und wurde schnell zu einem geschätzten Wohnzimmer-Ersatz des Festivalzeitraums. Wer mich kennt, weiß, dass ich ohne Theaterbesuch keine Stadt hinter mir lasse und so war ein weiteres Highlight meiner Reise der Besuch des feministischen Musicals Ku’damm 59 im altbekannten Theater des Westens.

Durch das winterliche Berlin zu schlendern, das von Kunst und Kultur nur so sprudelte, und über die verschiedensten Erlebnisse zu reflektieren, bereitete mir eine große Freude. Diese Erinnerungen prägen nun mein Bild von Berlin und der Berlinale.

Ich bin zutiefst dankbar für diese Erfahrung und freue mich darauf, in Wien die Filme mit dem stolzen Gedanken wiederzusehen: „Den kenne ich schon von der Berlinale!“