Viennale 2025

Genderfragen im Festivalkontext

Die 63. Viennale, die vom 16. bis 28. Oktober 2025 in Wien stattfand, wurde dieses Jahr wieder durch einen Kurs am tfm begleitet. Zusammen haben wir acht Screenings besucht und diese im Kontext des Gesamtprogramms kritisch in Bezug auf Genderfragen in den Blick genommen. Erfahrungsgemäß spiegeln die Programme großer Filmfestivals, wie der Viennale, zeitgenössische Geschlechterordnungen und Genderdiskurse wider. Sie greifen aber auch in diese ein, wenn die gezeigten Filme Positionen und Sichtweisen verändern und Debatten anregen. Filme stellen gesellschaftliche Realitäten und Normen nicht nur dar, sie formen sie auch aktiv mit und hinterfragen sie zuweilen auch. Die Studierenden hatten die Möglichkeit, sich in unterschiedlichen Formaten mit den gesichteten Filmen auseinanderzusetzen, wobei ebenso kritische wie inspirierende Beiträge entstanden sind.

Ein wichtiger Bestandteil des Kurses waren die Besuche von Gästen im Seminar, deren Berufspraxis sich von der Festivalkuratierung bis in die mediale Berichterstattung erstreckte. Shirin Agha hat unser gemeinsames Gespräch mit Viennaledirektorin Eva Sangiorgi verschriftlicht, die uns nach Festivalschluss hinter die Kulissen des Festivalbetriebs blicken ließ und auf die Fragen der Studierenden zur Zusammenstellung des Programms eingegangen ist. Einen anderen Einblick bietet das Interview von Ella Kurowski und Nora Bettendorff mit der Kulturredakteurin Valerie Dirk, die für die Tageszeitung Der Standard regelmäßig über die Viennale berichtet. Sie sprachen mit ihr über den journalistischen Alltag, Filmfestivals und die Herausforderungen im ständigen Produzieren kritischer Texte. Clara Steinfels wiederum führte ein Gespräch mit der Regisseurin Isa Willinger zu ihrem Film No Mercy (DE/AT 2025), der sich um die Filmindustrie dreht, die Frauen noch immer Steine in den Weg legt, und diskutiert mit ihr die Frage, ob Frauen deshalb die härteren Filme machen. Die Filmkritiken – hypothetisch verfasst für unterschiedliche Medien und sich entsprechend im Stil unterscheidend – durchleuchten einzelne gemeinsam gesichtete und diskutierte Filme: Angela Summereders Zechmeister (AT 1981), Sebastián Lelios La Ola (CL 2025), Milagros Mumenthalers Las corrientes (CH/ARG 2025), Kristen Stewarts The Chronology of Water (US/FR/LV 2025), Mark Jenkins Rose of Nevada (UK 2025), Isa Willingers No Mercy (DE/AT 2025) und Lynne Ramsays Die My Love (CA 2025). Zwei Podcasts und drei Videoessays widmen sich diesen Filmen in unterschiedlichen Konstellationen und mit verschiedenen Fragestellungen und Zugängen – diskursiv, analytisch, bis hin zu essayistisch-künstlerisch.

Iris Fraueneder, Vanessa Scharrer – WS 2025/26

Interviews

Eva Sangiorgi: Curating the Viennale between Quotas and Quality
von Shirin Agha

Standard-Kulturjournalistin Valerie Dirk im Gespräch: „Was als gut galt, war, was von männlichen ‚Genies‘ auf die Kinoleinwand gezaubert wurde.“
von Nora Bettendorff, Ella Kurowski

„Filme von Frauen werden noch immer anders gelesen“ – Isa Willinger im Gespräch: Machtstrukturen, Härte und wie Filmgeschichte klingen kann, wenn Frauen von ihr erzählen dürfen
von Clara Steinfels

Kritiken

Zechmeister – Ein Urteil über einen Unrechtsspruch
von Elisabeth Hammer

La Ola – Ein Musical über das Ende des Schweigens
von Nikita Ermakov

Im Sog der Strömungen – Las corrientes
von Katharina Kohlhage

Fishing for Memories – The Chronology of Water
von Hella Stiotta

Die Schale des Fischers. Identität, Erinnerung und Männlichkeit in Mark Jenkins Rose of Nevada
von Luca Manca

Albtraum auf See in 16mm – Rose of Nevada
von Jana Maier

Härte ist kein Männerprivileg – No Mercy
von Isabella Walder

Mutterschaft als Ausnahmezustand: Wenn Kino zur Psychose wird – Die My Love
von Isabella Walder

Zwischen Überforderung und Empathie – die überwältigende Nähe von Die My Love
von David Nilles

Podcasts

La Ola, Emilia Pérez – Problemlösung ohne Problembewusstsein
von Fabian Capelli, Thomas Gönitzer, Alexandra Schreiner

Filmriss
von Bianca Kofler, Karla Schnieder, Lilli Sinnstein

Videoessays

VIE N NAL E2 5 (fragmentarisch)
von Rosalia Koltermann

VIENNALE
von Sophie Hörlezeder

Gender projizieren, Gender produzieren
von Florian Bernhard, Mobin Fathi, Kristina Weiler